Zeit für Traurigkeit

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Kennen Sie das? Sie sind traurig und Ihnen ist irgendwie schwer ums Herz.

Sie schauen zum Fenster raus. Der schönste Sonnenschein. Und dann fangen Sie an zu überlegen und sagen sich „ich habe doch gar keinen Grund traurig zu sein. Ich habe doch alles: eine tolle Beziehung, ein tolles Auto, 2 Kinder,  Freunde, was zu essen im Kühlschrank,…“
Und trotzdem bleibt es da, dieses Gefühl. Es passt Ihnen so gar nicht rein, weil Sie neue Angebote für Ihr Unternehmen entwickeln sollten oder weil Sie zu den Kunden am Telefon zuvorkommend und freundlich sein müssen oder ehrlich gesagt, weil es sich nicht gut anfühlt. Sie möchten das Gefühl am besten loswerden, abschütteln. So schnell wie möglich. Und das muss doch auch gehen. Die vielen Ratgeber schreiben davon: Positives Denken. Wo ein Wille ist, ist ein Weg. Heul nicht rum, lebe einfach usw.

In der Nachtcafé Sendung (SWR Fernsehen, 22 Uhr) vom letzten Freitag, waren Menschen zu Gast für die ein wertvoller Mensch gestorben ist. Sie erzählten aus Ihrem Leben. Eine Frau sagte für mich etwas sehr Wichtiges, ich werde es aus dem Gedächtnis zitieren:  „Ich nahm professionelle Trauerbegleitung in Anspruch. Zum Glück. Mit meinen Freunden und der Familie konnte ich über den Tod meines Mannes reden. Sie waren für mich da. Doch sie wollten mich trösten. Die Trauerbegleiterin wollte mich nicht trösten. Ich konnte meiner Trauer freien Lauf lassen. Sie konnte das Ganze mit mir aushalten.“

Auch ich mache immer öfter die Erfahrung, dass der beste und natürlichste Weg im Umgang mit ungeliebten Gefühlen ist, ihnen meine Aufmerksamkeit zu widmen. Seit ich vor zwei Jahren einen Achtsamtkeitskurs (MBSR) Kurs gemacht und dafür Feuer gefangen habe, gelingt mir das immer besser.

Immer zu wissen, was ich will, immer dankbar zu sein, dass ich nicht auf der Straße lebe und genügend zu essen habe, immer froh zu sein, dass ich noch lebe und so alt werden durfte und natürlich dass ich eine Arbeitsstelle habe, auch wenn Sie mir vielleicht keinen Spaß macht. Das ist unnatürlich.

Mein Handball Trainer trennte sich vor Jahren von seiner Frau, sie hatten 2 kleine Kinder. Ihm ging es richtig scheiße. Oft war er traurig und abwesend im Training und bei Spielen, bis er die Entscheidung traf aufzuhören. Ähnlich wie das Beispiel aus der „Nachtcafé“ Sendung bestätigte auch er mir: „Sandra, viele wollen mich trösten doch der beste Rat, denn ich bislang bekommen habe war: „Dir geht’s jetzt erstmal ne Weile richtig scheiße!“

Meiner Erfahrung nach, geht es zunächst um das Zulassen, dieser unliebsamen Gefühle. Ungefähr so: ich fühle mich heute beschissen. Mir ist nicht nur danach, den Tag im Bett zu verbringen, sondern ich werde dies auch tun, mir ist nach heulen zumute und ich werde meinen Tränen freien Lauf lassen. Heute werde ich mich mal so richtig bedauern, weil mir danach ist. Punkt. Ohne zu fragen warum ist das so. Ohne zu versuchen, dass es mir besser geht. Ohne einen Ratgeber zu lesen. Ohne Schuldgefühle.

Ein Spaziergang im Wald oder Musik zu hören die zu Ihrer Stimmung passt, sind sehr gute Unterstützer in solchen Zeiten. Und bewusst mal Zeit mich sich zu verbringen. Allein. Denn eine solche Melancholie oder Traurigkeit kann ein sehr guter Anzeiger für Veränderungsbedarf sein und für die Notwendigkeit einen Wendepunkt einzuleiten.

Nur wenn Ihre Traurigkeit über einen langen Zeitraum andauert und Sie sich damit  überfordert fühlen, dann könnte es sein, dass Sie krank geworden sind. Holen Sie sich dann bitte Hilfe.

Ihre Sandra Plazibat

 

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