Sozialer Beruf? – Nein Danke!

In den letzten zwei Wochen hatte ich sehr besondere und anregende Gespräche mit einem leidenschaftlichen, selbstständigen Hundeschulinhaber, einer engagierten angestellten Führungskraft und einer lebensbejahenden Erzieherin in Mutterschutz. Es ging um Themen, welche bei mir immer wieder hochkommen. Die Bezahlung bestimmter Berufe,  das Gefühl der ungerechten Einkommensverteilung und die Wertigkeit wofür wir Geld ausgeben. Dies hat mich zu diesem Blogartikel motiviert.

Denjenigen denen wir unsere Kinder anvertrauen z.B. KindergärtnerInnen, ErzieherInnen sind wir nicht bereit ein Spitzengehalt zu zahlen. Es ist ja ein sozialer Beruf. Die bekommen dafür etwas, was man für Geld nicht kaufen kann, ein Lächeln, ein Stück kindlicher Phantasie, Sie dürfen bei Ihrer Arbeit basteln, sind viel an der frischen Luft. Und Kinder, na ja, die können ja nicht so schwer zu handhaben sein. Im Gegensatz zur Entwicklung von Apps, der Reparatur von Elektrogeräten oder dem Managen von Investmentfonds…

Aber sind wir doch mal ehrlich. Welche Führungskraft würde sich denn aus dem Stehgreif heraus diese Arbeit zutrauen? Und andersherum gefragt, welchem Ihrer Chefs würden Sie Ihr Kind oder eine Gruppe von Kindern zur sinnvollen Beschäftigung anvertrauen? Sehe ich da gerade ein Schmunzeln bei dem Gedanken?!

Jemand, dem wir unser Kind oder auch unseren Hund anvertrauen, muss höchsten Ansprüchen genügen. Absolut vertrauenswürdig, zuverlässig, konsequent und nett sein und unser Kind behandeln, als wäre es das Wertvollste im Kindergarten. Es trösten und verarzten wenn es fällt und uns natürlich dann anrufen um uns die genaue Situation zu schildern, dazu regelmäßige Entwicklungsberichte und Tipps für uns „To Go“. Und in heutiger Zeit ist Kindesmissbrauch leider auch etwas wovor wir Angst haben müssen. Nicht auszudenken, wenn es abends heißt, tut mir leid ihr Kind ist weg. Da muss jemand unbemerkt über die Kindergartenmauer gestiegen sein. Ihr „Was????- Sie haben die Mauer nicht mit Stacheldraht gesichert???!!!“ – nutzt dann auch nichts mehr.

Sind wir mal ehrlich, wer von uns ist der Meinung, dass jemand anders besser mit unseren Kindern umgehen kann als wir Selbst?!

Vor allem in Deutschland, wo jeder für alles einen Schein braucht, und ihm erst dann anerkannt wird, dass er etwas Können kann. Da sollte es doch schon längst eine duale Ausbildung oder ein Studium als Mutter und Vater verpflichtend geben. Mit Wesenstest (wie bei den Hunden), Semesterprüfungen in jedem Fach und dann eine Abschlussarbeit und vorher natürlich die Schufaauskunft einholen, Kinder sind nun mal ein Armutsrisiko.

Mit gleichermaßen theoretischen und praktischen Inhalten und Praktika in der Ausbildung. Fächer wie Ernährung, Finanzen, Hygiene, Umgang mit Stresssituationen, Kommunikation mit meinem Kind, Selbstreflexion,  Kinderkrankheiten, Umgang mit anderen Kindern z.B. durch Beobachtungen auf dem Spielplatz, und die Möglichkeit zur Supervision in den ersten 2 Jahren durch erfahrene und -inzwischen- gelassene Mütter und Väter. Wahlpflichtfächer können dann sein: „Schluss mit dem schlechten Gewissen“ und „Entspannte Eltern, sind gute Eltern“. Übrigens, seit es diese Ausbildung und das Studium gibt, wurde das Wahlpflichtfach „Berufstätig UND Mutter oder Vater“ umbenannt in „Vor- und Nachteile eines ZWEITjobs“

Bitte sehen Sie das Ganze mit einem schmunzelnden Auge, aufgrund eines erhobenen Zeigefingers, lernt bestimmt niemand gerne.

Ich habe auch keine Lösung für das Ganze, aber ich mache mir Gedanken. Auch über andere soziale, gering bezahlte und manchmal auch wenig angesehene oder teilweise belächelte Berufe bzw. Berufsausübende. SozialpädagogenInnen, KrankenpflegerInnen, AltenpflegerInnen. Für Sie muss es doch wie Hohn klingen, wenn man als ungelernte Produktionskraft in einem Automobilzulieferbetrieb das Doppelte oder Dreifache verdienen kann. Bei finanziell lukrativen „Sozial“ Leistungen. Sollten diese Sozialleistungen nicht eher die bekommen, die sozial auch engagiert sind?!

Ich hoffe, ich konnte auch Sie ein wenig zum Nachdenken anregen oder diejenigen motivieren, die sich schon konkret engagieren oder genauso Denken. Die kleinste Veränderung kann schon etwas bewirken. In diesem Sinne wünsche Ich Ihnen einen schönen, erholsamen Sommer! Ich werde Ihn nutzen um Sonnenenergie und damit Kraft zu tanken für neue und bewährte Projekte.

„Was das Frühjahr nicht sät, kann der Sommer nicht reifen, der Herbst nicht ernten, der Winter nicht genießen.“
-Gottfried von Herder, Dichter und Philosoph-

Ihre Sandra Plazibat

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