Eine Doktorarbeit schreiben… Teil 2

Lesen Sie heute die Fortsetzung des Interviews. Ich wünsche viel Vergnügen!

Wie waren deine persönlichen Rahmenbedingungen während du an deiner Doktorarbeit gearbeitet hast?

Na ja, nicht ganz so rosig. Ich hatte zu Beginn der Doktorarbeit 4 Kinder, die Jüngste war 5 und der Älteste 12, war verheiratet, arbeitete in einem Teilzeitjob und war ehrenamtlich als Finanzvorstand im örtlichen Fußballverein tätig.

Positiv war, dass die Doktorarbeit eng verknüpft war mit dem Forschungsprojekt, so dass sich Synergien ergaben. Jedoch war dort genügend zu tun und außerdem hielt ich auch noch Vorlesungen, so dass sich die Arbeit auf meine Freizeit und somit überwiegend auf die Abend- und Nachtstunden konzentrierte.

Von den gesamten 4,5 Jahren habe ich zum Ende hin etwas mehr als 1,5 Jahre reine „Schreibzeit“ benötigt, die andere Zeit war für Forschungsarbeit, Recherche und Veröffentlichungen im Hinblick auf die Doktorarbeit.

 Bei welcher oder welchen deiner Fähigkeiten hat dir die Doktorarbeit am meisten abverlangt?

Ganz spontan würde ich sagen Durchhaltevermögen und Beharrlichkeit. Ich war zwar schon der Meinung, dass ich diese Eigenschaften in ausgeprägter Form besitze, jedoch hat mich die Doktorarbeit in einer neuen Dimension gefordert.

3 Monate vor Schluss hätte ich am liebsten alles hingeschmissen: Ich konnte nicht mehr, ich wollte nicht mehr und war einfach am Ende mit meinen Kräften. 4,5 Jahre sind einfach eine sehr lange Zeit und im Privatleben hatte ich auch besondere Herausforderungen zu meistern.

Mein Glück war, ich befasste mich ja mit Entscheidungsfindung und Risikomanagement in der Doktorarbeit und konnte somit an mir selbst ausprobieren, was in der Praxis funktioniert, um Schwierigkeiten zu überwinden. Die Doktorarbeit als Ganzes und das Thema an sich machten schon viel mit mir.

 Was machte dir noch zu schaffen?

Zusätzlich zu dem bereits bei der vorigen Frage erwähnten: zu verzichten. Andere konnten weggehen und ihr Leben genießen und ich war mit Familie, Job und Doktorarbeit voll ausgefüllt.

Und das Gefühl zu haben, Einzelkämpferin zu sein, denn die anderen Doktoranden waren ja an anderen Universitäten verteilt. Mir fehlte teilweise der direkte Austausch.

Was waren die schönsten Momente oder Erlebnisse bei deiner Arbeit?

Die ersten 50 Seiten! Daraufhin habe ich mir als Belohnung Ohrringe gekauft, die ich seither auch nur selten ausgezogen habe. Dies hatte ich mir als Zwischenmotivation gesteckt.

Im Entstehungsprozess gab es immer wieder schöne Momente:

Die Fertigstellung des Exposées, als der Bescheid kam, dass ich als Doktorandin angenommen wurde, als ich den besonders herausfordernden Themenkomplex zur Entscheidungsfindung beendet hatte.

An einer Wand im Wohnzimmer hatte ich bis vor kurzem noch ein Schaubild mit Struktur und rotem Faden zur Doktorarbeit. Ich hatte es mühevoll aus verschiedenen Abbildungen erstellt und es half mir immer wieder das Gesamtbild im Auge zu haben und mich zu motivieren.

Und der Schlusspunkt! Als ich es tatsächlich geschafft hatte und den Schlusspunkt hinter den letzten Satz gesetzt habe.

Kommentar von workandsoul: Ab 26.01. werde ich hier den dritten und letzten Teil dieses Interviews veröffentlichen. Es geht dann um nette Reaktionen, Ratschläge für Sie, wenn Sie denselben Plan haben und eine persönliche Abschlussbewertung von Claudi.

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